Endlich mal befreit durchatmen
wenn man ab dem 1. August in Bayern abends mal weggeht. Endlich einfach in eine Kneipe gehen können, ohne daß am nächsten Morgen die Klamotten nach Aschenbecher stinken. Endlich unbeschwert ein Café aufsuchen können, ohne an der Türe erst abchecken zu müssen, ob es nicht vielleicht ein sogenannter Raucherclub ist.
Die Bayern, die gestern zur Wahl gegangen sind, haben sich mit einer deutlichen Mehrheit für ein strikteres Rauchverbot im Freistaat ausgesprochen. Wäre ich stimmberechtigt gewesen, hätte ich auch mit Ja gestimmt. Eben auch, weil die alte Lösung mit ihren unzähligen Ausnahmen für einen einfachen Bürger, der nicht Verwaltungsrecht studiert hat, nicht nachvollziehbar ist.
In den nächsten Wochen werden die Hardcore-Raucher wieder lautstark den Niedergang des Abendlandesder Gaststätten”kultur” beklagen. Das konnten wir in den letzten Jahren ja schon mehrfach in verschiedenen Bundesländern beobachten. Gebracht hat das immer relativ wenig. Viel Rauch um Nichts, könnte man dazu auch sagen.
Allerdings muss einem der Blick schon ziemlich vernebelt sein, um einen solchen Kommentar wie Christian Soeder von rotstehtunsgut.de abzulassen.
Ich schätze Christian normalerweise sehr, aber die Befürworter des Volksbegehrens einfach mal so als Spießer abzuwerten, zeigt doch ein etwas seltsames Demokratieverständnis. Es mag kein Grundrecht auf einen Kneipenbesuch geben, genauso wenig gibt es ein Grundrecht darauf andere Leute durch stinkenden Zigarettenqualm zu belästigen.
Ein Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit für die in der Gastronomie Beschäftigten gibt es allerdings sehr wohl. Da sollten die “in ihrer Freiheit beschnittenen” Qualmer mal darüber nachdenken.
5. Juli 2010 um 22:57 Uhr
Warum das denn? Das ist eine Tatsachenbeschreibung. Als nächstes darf ich CDU-Wähler wohl nicht mehr konservativ nennen? :S
5. Juli 2010 um 23:35 Uhr
Wenn man CDU-Wähler als konservativ bezeichnet, ist das eine relativ neutrale Tatsachenbeschreibung. Der Begriff Spießer hat dagegen eine herab wertende Bedeutung. Deshalb stört es mich, wen hier einfach so pauschal die Befürworter des erfolgreichen Volksbegehrens so bezeichnet werden.
Wollen wir Linke nicht auch mehr Bürgerbeteiligung? Dabei muss man dann eben auch akzeptieren, dass auch mal ein Ergebnis rauskommt, das einem persönlich nicht gefällt.
6. Juli 2010 um 13:15 Uhr
Das Argument ist bescheuert. Ich muss ja auch nicht die schwarz-gelbe Regierung gut finden, nur weil sie demokratisch legitimiert ist.
6. Juli 2010 um 19:23 Uhr
Wir könnten jetzt sicher recht lange darüber diskutieren, welche Argumente bescheuerter sind (btw. das mit dem nicht vorhandenen Menschenrecht auf Kneipenbesuch ist in meiner Top10 der schlechten Argumente für 2010)
Besser als dieser Artikel auf rotstehtunsgut.de kann ich meine Position auch nicht beschreiben.
6. Juli 2010 um 15:21 Uhr
Also ich halte Soeder ja für einen nicht sonderlich intelligenten Polemiker, der zu seinem Glück so viel Instinkt besitzt, dass er meistens mit seiner sozialen Gruppe übereinstimmt und dadurch seine intellektuellen Defizite nicht sonderlich auffallen. Aber da ist nur Bauch, kein Hirn.
Wenn man sich mal wirklich alle seine Beiträge kritisch ansieht, auch die, mit denen man spontan übereinstimmt wird deutlich, dass nahezu ausnahmslos von “Argumenten” nicht die Rede sein kann. Und dass er, ausweislich der Kommentare bzw. seiner Antworten, auch gänzlich unfähig und/oder unwillens ist, sich auf eine Diskussion einzulassen. Wichtig ist das letzte Wort, ein kesser Spruch, mehr kommt da nicht.
Schau die nur einfach diesen Thread an:
Sachliche Kritik, unter anderem daran, dass der Begriff Spießer wertend, pauschalisierend und unangebracht ist.
Replik: Einschränkung auf den Spießer-Begriff; Trotziges Insistieren, ablenkender Vergleich
Antwort: nochmal erklärt
Replik: verbale Agression, Abwertung & Nichteingehen auf das Argument; erneuter ablenkender Vergleich.
Wenn du weiter machst geht’s so weiter, oder der neue Maßstab “muss gut finden” wird zum Thema, die urspüngliche Kritik bleibt unerwähnt.
Wie gesagt, einfach mal selbst prüfen, das ist das klassische Soeder-Muster. (Davon, dass er alles bis auf die Spießer-Kritk ignoriert reden wir mal garnicht.)
Insofern würde ich den Vorfall eher zum Anlass nehmen, deine Haltung ihm gegenüber zu überdenken.