EU und Internet, eine tolle Kombination

Je nach besuchtem Stammtisch und aktueller Nachrichtenlage ist ja entweder “Brüssel” als Synonym für die Europäische Union oder “das Internet” an allem Schuld was gerade vermeintlich nicht rund läuft in der Gesellschaft. Da wird z.B. auf die EU geschimpft, weil eine EU-Verordnung und ihre Umsetzung in ein deutsches Gesetz zu erhöhtem Bürokratieaufwand im Handwerk führen soll.

Die Annehmlichkeiten, die man als Tourist hat, wenn man ins europäische Ausland reist und dank Schengen-Abkommen ohne Paßkontrolle einfach so die Grenzen überschreiten kann, bringen dagegen die wenigsten mit der EU in Verbindung. Deshalb möchte ich heute etwas berichten, das so ohne EU und Internet wohl nur mit hohem Aufwand an Zeit und Formularen möglich gewesen wäre.

Begonnen hat es damit, dass ich bei einem Fotofreund ein T-Shirt gesehen hatte, das ich auch haben wollte. Also habe ich kurz gegoogelt und bin auf die Internetseite von I’m a Photographer, not a Terrorist gestoßen. Der Hauptzweck dieser Organisation ist natürlich nicht der Verkauf von Textilien. Viel mehr organisieren diese Widerstand gegen eine Regelung in der britischen Anti-Terror-Gesetzgebung, die das Fotografieren für Profis und Amateure in Großbritannien deutlich erschwert. Scheint so, dass neben deutschen Sozialdemokraten, Stichwort “Otto-Katalog”, auch die britischen Labourpolitiker in Sachen Einschränkung von Bürgerrechten wegen Terrorgefahr es den Konservativen vormachen, was möglich ist.

Für die Arbeit einer Bürgerrechts-Organisation ist neben ideeller Unterstützung auch Geld notwendig, weshalb sich auf der Website auch ein Shop befindet, der diese oben erwähnten T-Shirts verkauft. Dieser arbeitet mit Spreadshirt, einem Internet-Service, der es jedem erlaubt auf seiner Homepage T-Shirts, Sweatshirts, Kappen usw. mit eigenem Design anzubieten. Diese werden dann von Spreadshirt für die Bestellung einzeln hergestellt und an den Besteller ausgeliefert. Überhaupt übernehmen die Leute von Spreadshirt die ganze Abwicklung, der Webseiten-Betreiber hat keinen eigenen Aufwand und erhält für jede Bestellung eine Provision.

Ohne Internet wäre dieser Service vermutlich nicht entstanden oder nicht so groß geworden. Dass www.spreadshirt.co.uk nur eine weitere Adresse der Ursprungsseite www.spreadshirt.de ist, nur eben in englischer Sprache und mit Preisen in britischen Pfund, merkte ich bei der Bestellung, als die vermeintlich britische T-Shirt-Seite meine E-Mail-Adresse und somit meine Kundendaten schon kannte. Beliefert wurde ich dann sehr schnell aus Deutschland, nachdem ich vorher problemlos mit Paypal, noch so ein Internet-Service, bezahlt hatte.

Ich versuche es mal kurz zusammenzufassen: In Großbritannien ein T-Shirt bestellt, dieses in Pfund bezahlt, Abbuchung von meinem Konto in Euro, Lieferung des T-Shirts 3 Tage später aus Deutschland. Diese Transaktion hätte vor Einführung der Zollunion sicher einige Zollsachbearbeiter beschäftigt und einiges an Formularen benötigt. Mal davon abgesehen, dass diese “britische” T-Shirt ja gar nicht von der Insel kam.

Eine Überweisung des Rechnungsbetrags nach Großbritannien wäre dank der EU-Regelungen für den Zahlungsverkehr auch nicht teurer gewesen als eine Überweisung nach z.B. Hamburg. Die Verwendung von Paypal hat hier die Abwicklung des Geldtransfers etwas beschleunigt.

Wie man hier sehen kann, erleichtert die EU uns als Verbrauchern das Leben, ohne dass wir dies im Alltag überhaupt bewusst wahrnehmen.


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