Nachdem unsere Nationalmannschaft gestern unglücklich* das Finale nicht erreicht hat, stellt sich die Frage, welches Team ich am Sonntag unterstützen soll.
Hätte heute Portugal gewonnen, wäre die Entscheidung schon gefallen. Ich mag den angenehmen weichen Klang der portugiesichen Sprache und habe mich bei einem Kurzurlaub in Porto sehr wohl gefühlt. Ich hatte da nie das Gefühl, dass es eine Last wäre mit mir nicht in der Landessprache zu kommunizieren. Das habe ich in Frankreich auch schon anders erlebt. (0:1 gegen Frankreich)
Dennoch ist Frankreich wie Italien ein schönes Land. Und in beiden Ländern gibt es sympathische und unsympathische Bürger, wie auch bei uns. (Punkt für beide, Zwischenstand 2:1 für Italien)
Beide Länder bauen Autos. Nach eher enttäuschenden Erfahrungen mit einem Fahrzeug aus Italien fahre ich jetzt den zweiten “Franzosen” und bin zufrieden. (Punkt für Frankreich, 2:2)
Bei Mode (Haute Couture gegen Alta Moda), Essen oder Wein kann sich kein Land vom Anderen absetzen. Den möglichen Minuspunkt bei der Politik (Silvio Berlusconi) haben die Italiener ja abgewählt. Somit streiche ich den Punktabzug für Italien dafür.
Da hilft vielleicht das Interview mit einem Römer, das ich heute im Radio gehört habe weiter. Er hatte Verständnis für die Enttäuschung der Deutschen bei der WM im eigenen Land im Halbfinale auszuscheiden. Schliesslich hätten sie das 1990 auch erlebt. Und im Finale hätten sie dann Deutschland unterstützt. Er hoffe, wir würden das am Sonntag auch so machen.
Mache ich doch gerne. Ich werde also am Sonntag für die Mannschaft sein, die gegen uns nicht im Halbfinale gewonnen hat. (1990 hatte Italien gegen unseren Endspielgegner Argentinien verloren) Allez les Bleues!
Wollen wir also hoffen, dass wir nach dem Finale singen können:
Allons enfants de la Patrie,
Le jour de gloire est arrivé!
* Ein Gegentor kurz vor Ende der Verlängerung ist immer unglücklich, auch wenn es in der Gesamtbetrachtung des Spiels für die Italiener nicht gänzlich unverdient war.