Stoiber, Söder und der Osten
Eigentlich ist ja zu den Äusserungen des Herrn Stoibers schon alles gesagt, aber eben noch nicht von mir. Bei Spiegel online wird “Stoibers Ossi-Affäre” schon zusammengefast. Er hat sich also bei einem Wahlkampfauftritt zu dieser Äusserung hinreissen lassen:
Ich akzeptiere nicht, dass der Osten bestimmt, wer in Deutschland Kanzler wird. Die Frustrierten dürfen nicht über Deutschlands Zukunft bestimmen.
Das erschien am gleichen Tag als der Herr Schönbohm seine Zwangsproletarisierungs-Theorie absonderte und ging somit in der Presse unter. Als es jetzt von der “Leipziger Volkszeitung” aufgegriffen wurde, kamen die Proteste nicht nur von “den üblichen Verdächtigten” sondern auch von ostdeutschen CDU-Politikern.
Die Fraktionschef der CDU in Mecklenburg-Vorpommern, Eckhardt Rehberg, nannte Stoibers Aussage “völlig verfehlt”.
Recht hat er der Herr Rehberg. Nun soll es aber laut dem Herrn Söder alles ganz anders gemeint gewesen sein. Der Herr Stoiber hätte den Herrn Gysi und den Herrn Lafontaine gemeint, als er von den “Frustierten” sprach und ausserdem sei das alles eine »bewusste Fehlinterpretation«. Ich frage mich zwar, wieso Gysi und Lafontaine bei den Unfragewerten der SED PDS Linkspartei frustriert sein sollen, aber wenn der Herr Söder das meint, soll es halt so sein. Schliesslich kennt der sich ja bei »bewussten Fehlinterpretationen« richtig gut aus.
Nur scheint sein Chef der Herr Stoiber das alles ganz anders verstanden zu haben. Er legte zum gleichen Thema gestern noch mal nach:
In Schwandorf sagte der CSU-Chef nach Angaben des Bayerischen Rundfunks, er wolle nicht, dass die Wahl noch einmal im Osten entschieden werde. Wenn es überall so wäre wie in Bayern, so der Ministerpräsident, dann gäbe es keine Probleme. “Wir haben leider nicht überall so kluge Bevölkerungsteile wie in Bayern”, sagte Stoiber nach Angaben von “B5 aktuell”.
Dazu könnte ich jetzt auch viele Worte finden, begnüge mich jetzt erstmal mit einem Statement von Franz Müntefering (dem Vorsitzenden “meiner” SPD) von der SPD-Homepage:
“Mich würde schon interessieren, ob Stoiber der Meinung ist, dass auch die Stimme von Frau Merkel, die ihren Wohnsitz ja im Osten hat, weniger wert sein soll als seine eigene.”
Würde mich auch interessieren. Es ist ja schliesslich eine der Grundlagen unseres Staates, dass jede Stimme gleichviel Wert hat. “One man, one vote” wie es der Anglophile ausdrücken würde. Was kommt als nächstes? Intelligenztests für Wähler? Nur wer einen bestimmten Mindest-IQ hat darf zur Wahl? Oder sollte es vielleicht eher im Interesse der Union für ein gutes Wahlergebnis liegen, einen Maximal-IQ vorzuschreiben?
Fragen über Fragen. Ich hole mir jetzt erstmal Popcorn und warte auf die nächste Aussage der Unions-Wahlkämpfer.

