Aug 11 2005

Stoiber, Söder und der Osten

Eigentlich ist ja zu den Äusserungen des Herrn Stoibers schon alles gesagt, aber eben noch nicht von mir. Bei Spiegel online wird “Stoibers Ossi-Affäre” schon zusammengefast. Er hat sich also bei einem Wahlkampfauftritt zu dieser Äusserung hinreissen lassen:

Ich akzeptiere nicht, dass der Osten bestimmt, wer in Deutschland Kanzler wird. Die Frustrierten dürfen nicht über Deutschlands Zukunft bestimmen.

Das erschien am gleichen Tag als der Herr Schönbohm seine Zwangsproletarisierungs-Theorie absonderte und ging somit in der Presse unter. Als es jetzt von der “Leipziger Volkszeitung” aufgegriffen wurde, kamen die Proteste nicht nur von “den üblichen Verdächtigten” sondern auch von ostdeutschen CDU-Politikern.

Die Fraktionschef der CDU in Mecklenburg-Vorpommern, Eckhardt Rehberg, nannte Stoibers Aussage “völlig verfehlt”.

Recht hat er der Herr Rehberg. Nun soll es aber laut dem Herrn Söder alles ganz anders gemeint gewesen sein. Der Herr Stoiber hätte den Herrn Gysi und den Herrn Lafontaine gemeint, als er von den “Frustierten” sprach und ausserdem sei das alles eine »bewusste Fehlinterpretation«. Ich frage mich zwar, wieso Gysi und Lafontaine bei den Unfragewerten der SED PDS Linkspartei frustriert sein sollen, aber wenn der Herr Söder das meint, soll es halt so sein. Schliesslich kennt der sich ja bei »bewussten Fehlinterpretationen« richtig gut aus.

Nur scheint sein Chef der Herr Stoiber das alles ganz anders verstanden zu haben. Er legte zum gleichen Thema gestern noch mal nach:

In Schwandorf sagte der CSU-Chef nach Angaben des Bayerischen Rundfunks, er wolle nicht, dass die Wahl noch einmal im Osten entschieden werde. Wenn es überall so wäre wie in Bayern, so der Ministerpräsident, dann gäbe es keine Probleme. “Wir haben leider nicht überall so kluge Bevölkerungsteile wie in Bayern”, sagte Stoiber nach Angaben von “B5 aktuell”.

Dazu könnte ich jetzt auch viele Worte finden, begnüge mich jetzt erstmal mit einem Statement von Franz Müntefering (dem Vorsitzenden “meiner” SPD) von der SPD-Homepage:

“Mich würde schon interessieren, ob Stoiber der Meinung ist, dass auch die Stimme von Frau Merkel, die ihren Wohnsitz ja im Osten hat, weniger wert sein soll als seine eigene.”

Würde mich auch interessieren. Es ist ja schliesslich eine der Grundlagen unseres Staates, dass jede Stimme gleichviel Wert hat. “One man, one vote” wie es der Anglophile ausdrücken würde. Was kommt als nächstes? Intelligenztests für Wähler? Nur wer einen bestimmten Mindest-IQ hat darf zur Wahl? Oder sollte es vielleicht eher im Interesse der Union für ein gutes Wahlergebnis liegen, einen Maximal-IQ vorzuschreiben?

Fragen über Fragen. Ich hole mir jetzt erstmal Popcorn und warte auf die nächste Aussage der Unions-Wahlkämpfer.


Jun 24 2005

Wir können alles – ausser Werbung

Da gibt es ja diese sogenannte Imagekampagne des Landes Baden-Württemberg. Kostet 6 Millionen Euro im Jahr und nervt mich furchtbar. Das sind diese Werbespots, wo sich schwäbisch sprechende Menschen (oder sind da auch Badener dabei?) zum Affen machen. Und zum Schluss kommt der Slogan, “Wir können alles ausser Hochdeutsch”.

Dass die Landesregierung in dem Zusammenhang auch keine Wirstschaftsförderung kann, hat sie ja mit den T-Shirts zur Kampagne, die aus China und nicht aus Burladingen vom Herrn Grupp kommen, bewiesen.

Aber jetzt haben die Werber in einer Anzeige mal wieder einen Fehler eingebaut. Sie haben kurzerhand den Geburtsort des Tüftlers Robert Bosch von Albeck nach Ulm verlegt. Das gefällt den Albeckern bzw. Langenauern (wo Albeck zwischenzeitlich dazugehört) gar nicht. Und aus dem Söflinger Dieter Hoeness haben sie den Erfinder des “Turban-Fussballs” gemacht. Schlechter Witz, da der erst mal erklärt werden muss.

Wie man heute in der Südwest-Presse lesen kann, sollen die hippen Werbeprofis von Scholz & Friends das eh nicht ganz so eng sehen. Da wurde auch schon mal der Feldberg von 1492 Meter auf 1100 Meter erniedrigt oder die Relativitätstheorie des gebürtigen Ulmers (hier stimmt das), Albert Einstein, kreativ umgeschrieben.

Jetzt reagiert die Landesregierung und lässt die Werber bei Staatsminister Willi Stächele antanzen. Mein Tipp: Kampagne einstampfen und mit dem gesparten geld ein paar zusätzliche Lehrer einstellen, damit zukünftige Werbeprofis auch lernen können, wie hoch z.B. das Ulmer Münster ist.


Mai 27 2005

Schau an, die Schavan

Nach dem Frau Schavan ja in Baden-Württemberg nicht Ministerpräsidentin werden durfte, strebt sie jetzt nach Berlin.
Dem Vernehmen nach soll ja die Frau Merkel die Frau Schavan ganz gerne als Bildungsministerin in Berlin dabei haben wollen, falls sie (also die Frau Merkel) Kanzlerin werden sollte. Dazu braucht die Frau Schavan aber einen Bundestagswahlkreis.

Da trifft es sich gut, dass ein realtiv sicheres Direktmandat frei wurde. Im Wahlkreis 292, alsohier, hat sich der bisherige Abgeordnete Heinz Seiffert zum Landrat wählen lassen.
Heute steht dazu in der Südwest-Presse Ulm

ULM Die baden-württembergische Kultusministerin Annette Schavan (CDU) möchte bei der vorgezogenen Bundestagswahl im September im Wahlkreis 292 Ulm antreten, der den Stadtkreis Ulm und den Alb-Donau-Kreis umfasst. Eine offizielle Bestätigung, dass sich die 49-Jährige um diese Kandidatur bemüht, war über Fronleichnam zwar nicht zu erhalten. Jedoch verdichteten sich bis gestern Abend Hinweise, die unsere Zeitung aus Stuttgarter Kreisen erhalten hatte. Es gilt als sicher, dass Annette Schavans Bewerbung heute öffentlich wird.

Mal schauen, ob es mit den anderen Bewerbern auch so eine Schlammschlacht gibt, wie bei der Mitgliederbefragung der CDU zur Teufel-Nachfolge.

Auf jeden Fall haben wir hier im Wahlkampf ein Thema: Die “erfolgreiche” Bildungspolitik der Annette Schavan


Mrz 18 2005

Jagd auf den Verräter

Heide SimonisSpiegel Online berichtet heute unter dem Titel “Jagd auf den Verräter” über die Suche nach dem (oder der) Abgeordneten, die gestern die Wahl zur Ministerpräsidentin für Heide Simonis zum Debakel werden liess.

Die Leserbriefe dazu haben dazu geführt, dass ich heute einen Leserbrief an den Spiegel abgeschickt habe.

Sind jetzt alle Politiker, die den Abgeordneten (oder die Abgeordnete) als Verräter zu bezeichnen, nur weil dieser sein verfassungsgemässes Recht der freien Entscheidung genutzt hat, anmassend?
Schaut man sich jedoch die Abläufe mal an, die dazu führen, dass dieser Stimmenthalter überhaupt abstimmen konnte, werden die Reaktionen verständlicher. Schliesslich fällt in Deutschland ja niemanden ein Abgeordnetenmandat einfach so zu. Der Abgeordnete wurde von seiner Partei nominiert und viele ehrenamtliche Helfer setzten viel Freizeit und Engagement ein, damit der Kandidat zum Abgeordneten und Vertreter ihrer Interessen wurde.
Es ist sicher sehr schwierig diesen Parteimitgliedern zu erklären, welche Gründe zu diesem etwas seltsamen Abstimmungsverhalten und Verraten dieser Interessen geführt haben.
Welche Motivation den “Verräter” schliesslich zum Enthalten geführt hat, ob es wirklich das Gewissen war, wird sich vermutlich nie klären lassen, weil sich der Stimmenthalter bedeckt halten wird. Wenn er wirklich überzeugt ist, das Richtige zu tun, hätte er dies auch schon im Vorfeld kundtun können.


Jan 30 2005

Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod

BuchtitelDas ist so eines der Bücher, deren Lektüre zum Ablegen von Gelübden oder weniger schwerwiegend zu guten Vorsätzen führen.
“Ab sofort schreibe ich mein Weblog nur noch in richtigem Deutsch”.
Damit ist auch schon der erste Fehler passiert, vermutlich würde der Zwiebelfisch-Kolumnist Bastian Sick hier vom Internet-Tagebuch schreiben.
Die wöchentlichen Kolumnen auf Spiegel online sind ein ständiger Appell an die Leser bei der Wahl der verwendeten Wörter etwas sorgfältiger vorzugehen. Da diese Texte nicht nur lehrreich sondern auch unterhaltsam sind, lag es ja nahe, aus den Kolumnen ein Buch zu machen.
Dies hat den Vorteil auch in entspannter Haltung auf dem Sofa oder an anderen Orten darin lesen zu können.
So erfährt man, dass Udo Jürgens, obwohl Österreicher, ein besseres Deutsch singt als manch anderer Schlagersänger. Oder dass ein Kind bekommen besser ist als ein Kind zu kriegen.
Ich lasse das Buch sicherheitshalber griffbereit beim PC liegen, um im Zweifelsfall im “Zwiebelfisch-ABC” nachschlagen zu können.
Die 8,90 Euro (nicht Euros) für das Buch sind gut angelegt.