Sep 16 2005

Ich bin Minister, holt mich hier raus

Als ich meinen Briefkasten öffnete fiel mir ein Flyer der CDU-Kandidatin im Wahlkreis in die Hände. Normalerweise landet sowas bei mir ungelesen im Altpapier, diesmal habe ich das Prospekt wenigstens mal zum Bilder anschauen aufgeklappt. Hätte ich das nicht getan wäre mir diese Bild entgangen:

Schavan auf TraktorFrau Ministerin Schavan sitzt im Führerhaus eines Traktors. Man sieht ihr regelrecht an, wie deplatziert sie sich da fühlt. Wahrscheinlich waren ihre Berater der Meinung, dies würde im ländlichen Raum des Wahlkreises Stimmen bringen.


Sep 5 2005

Das “teAM Zukunft” und das Duell

Man kennt es ja schon vom letzten Wahlkampf. Nach dem Fernsehduell erklären Politiker der beteiligten Parteien ihren Duellanten (bzw. die Duellantin) zum Sieger.
Das war ja schon irgendwie vor dem Duell klar.

Dass aber das sogenannte “teAM Zukunft” der CDU den Ausgang der Sendung vom 4. September schon am 3. September verkündet, ist dann doch etwas voreilig.
Falsches Datum

Angela Merkel gewinnt TV-Duell
(3. September 2005) Millionen von Bürgerinnen und Bürger in ganz Deutschland haben heute Abend das TV-Duell zwischen Angela Merkel und Gerhard Schröder verfolgt. Angela Merkel hat die Diskussion durch Kompetenz und Klarheit bestimmt, dagegen nichts Neues vom Kanzler – Schröder gibt Abschiedsvorstellung.

Obwohl hier der Begriff Zukunft im Seitentitel geführt wird, sollten die Merkel-Unterstützer mal besser ihre Kristallkugel neu justieren lassen.
Ich habe wie alle anderen Zuschauer einen souveränen Gerhard Schröder gesehen und eine Angela Merkel, die kaum auf die Fragen der Moderatoren einging, Herrn Kirchhoff zwei zusätzliche Kinder andichtete und auch noch im Schlussstatement mehr Fragen als Antworten hatte.


Sep 4 2005

brutal aktuell

In Rahmen der Reihe “Kultur erleben”, die unsere Bundestagsabgeordnete Hilde Mattheis organisisiert, war gestern Klaus Staeck zu einer Diskussionsrunde in Ulm. Klaus Staeck unterstützt ja schon sehr lange die SPD und hat auch die Aktion für mehr Demokratie mit ins Leben gerufen.

Viele seiner Plakate aus den vergangenen 30 Jahren sind auch heute noch erschreckend aktuell.

Richtig brutal aktuell ist dieses Motiv von 2001, dass die möglichen Folgen der Klimaerwärmung darstellt und auch die Nation, die durch ihren Erdöl-Verbrauch der Atmosphäre am stärksten einheizt, benennt.

Klaus Staeck - Plakat Visit America

Da stellt sich die Frage, darf man angesichts der Opfer und der Verwüstungen, die der Hurrikans Katrina in New Orleans und Umgebung hinterlassen hat, überhaupt über die Ursachen diskutieren?

Nun ist mal Fakt, dass durch die Klimaerwärmung die Gewalt der Wirbelstürme zugenommen hat und zunehmen wird. Fakt ist auch, dass die Klimaerwärmung vom Treibhauseffekt kommt und dieser durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe gefördert wird. Und die Regierung der Nation mit dem grössten Pro-Kopf-Verbrauch lehnt es ab sich an den internationalen Bemühungen zum Klimaschutz (z.B. Kyoto-Protokoll) zu beteiligen.

Fakt ist aber auch, dass diese Diskussion und Schuldzuweisungen an die eine oder andere Adresse den Menschen im Krisengebiet in ihrer Situation nicht weiterhilft. Genausowenig bringt es übrigens auch den grünen Umweltminister zwecks Etablierung einer englischen Ausgabe anzugreifen. Die Reaktion des Bundeskanzlers Gerhard Schröder Hilfe anzubieten und Hilfsmannschaften und Material in den Süden der USA zu schicken ist da genau die richtige Antwort.

Wer bei der Bewältigung der Katastrophe helfen möchte, findet bei der Tagesschau eine
Liste mit Spendenkonten.


Aug 1 2005

1:0 für Gerhard

Gestern habe ich mal entgegen meinen üblichen Gewohnheiten die Talkshow von der Frau Christiansen angeschaut. Schliesslich war ja “mein” Bundeskanzler Gerhard Schröder zu Gast, da kann ich auch mal die schlechteste Politik-Talkmasterin des deutschen Fernsehens ertragen.

Das Thema ist jetzt aber nicht die Qualitäten der Frau Christiansen als Gesprächsleiterin, sondern der souveräne Auftritt von Gerhard Schröder. Die anwesenden Experten konnten nicht umhin nach anfänglicher Kritik zu bestätigen, dass die eingeleiteten Reformen beginnen Wirkung zu zeigen.

Sympathisch fand ich, dass Gerhard Schröder zugab, 1998 den Fehler begangen zu haben, die Reformen nicht anzugehen.

Da bin ich mal gespannt, wie sich die Frau Merkel schlagen wird, wenn sie ihren Soloauftritt bei Christiansen hat. Wobei, sicher ist das noch nicht. Laut Spiegel muss die Frau Merkel noch prüfen, ob der Auftritt “zeitlich drin” ist. Im Klartext, die Kandidatin überlegt noch, ob sie auch hier kneifen soll.


Mai 18 2005

Bericht aus Berlin

Am Montag war ich am Mahnmahl für die ermordeten Juden Europas, besser als “Holocaust-Mahnmal” bekannt. Auf die Idee sich das Bauwerk mal näher anzuschauen kamen ausser mir auch noch einige 1000 andere. Beim Durchlaufen hatte ich einige Beinahe-Zusammenstösse mit anderen Besuchern, die quer zu meiner Laufrichtung unterwegs waren. Es ergeben sich immer wieder neue Durch- und Einblicke. Das spiel mit immer gleichen aber doch wieder anderen Elementen ist spannend.

Das Mahnmal ist sehr ästhetisch gestaltet. Was natürlich früher oder später die Frage aufwerfen wird, ob ein Ort des Gedenkens gut ausschauen darf. Natürlich darf er das. Ich würde sogar soweit gehen, zu sagen, dass eine neu errichtete Gedenkstätte gut ausschaun muss.

So wird auch denen der Zugang zur Thematik erleichtert, die nicht so gut informiert sind. Solange Berlin-Besucher Orte wie das Jüdische Museum oder eben das Holokaust-Mahnmal nicht als Teil einer Betroffenheitstour besuchen, sondern weil man es “gesehen haben muss”, wird die dahinterstehende Geschichte auch Kreise der Gesellschaft erreichen, die sich sonst vielleicht nicht damit auseinandergesetzt hätten.