Nicht nur Schwarz-Weiß
Letztes Jahr hatte ich ja schon einmal über die vermeintlichen Vorteile des Fachhandels vor Ort gegenüber dem (Internet-)Versandhandel geschrieben. Diese Frage wird ja in Internetforen gerne auf nur zwei Standpunkte verkürzt.
Standpunkt 1: Wer nicht im Internet kauft ist doof wirft Geld zum Fenster raus, weil man viel Geld sparen kann.
Standpunkt 2: Wer im Internet kauft ist am Niedergang des Einzelhandels und der Verödung der Innenstädte schuld.
Nun bin ich es aus meiner Heimatregion (in Ulm und um Ulm und um Ulm herum) gerade bei Fotofachgeschäften und Elektronikfachmärkten gewohnt, mehrere gut sortierte Geschäfte mit konkurrenzfähigen Preisen im näheren Umkreis (max. 15km von der Haustür entfernt) vorzufinden. Da kann man sich vor einem Kauf bequem zu Hause im Internet über das Pro und Kontra verschiedener Modelle (und das Preisniveau) informieren und anschließend im Einzelhandel direkt vergleichen. Und wenn der Preis stimmte, habe ich meistens auch gleich gekauft. Schließlich will ich ja nicht unnötig lange auf die Benutzung des neuen Techikspielzeugs warten.
Seitdem ich in Oberfranken wohne entwickle ich eine differenziertere Sichtweise auf das Thema Internet-Versandhandel.
Man könnte sogar sagen, ich lerne weitere positive Aspekte des Internetkaufs kennen. Wie ich zum Beispiel neulich beim Monitorkauf feststellen konnte, ist der Zeitvorteil des Onlineshoppens nicht gerade klein. Klingt komisch, ist aber so. Berufsbedingt kann ich selten nach Feierabend in den einschlägigen Elektronikfachmärkten das Angebot vergleichen. Zumal die auch nichts schön konzentriert liegen, wie ich es aus Ulm gewohnt war. Hätte ich nur einen Monitor mit den Anforderungen, 23 Zoll, flach, bunt gesucht, wäre ich sicher in Kulmbach auch fündig geworden.
Nun bearbeite ich am Computer meine Bilder und da sollte dann schon wegen der geringeren Blickwinkelabhängigkeit ein PVA-Panel im Gerät verbaut sein. So etwas fand ich im örtlichen Elektronikmarkt mit der gelb-dominierten Werbung nicht. Und den Samstag Nachmittag wollte ich nicht auf der Straße Richtung Bayreuth und eventuell weiter nach Hof (da sollen die Preise besser sein) verbringen, dafür war das Wetter zu gut. Und die Chancen dort meinen Favoriten zu ergattern waren nach dem Studium des Online-Angebotes dieser Kette auch gering. Also habe ich meinen EIZO EV2333WH bei einem großen Onlinehändler bestellt, mit dem ich schon einmal gute Erfahrungen gemacht hatte.
Zwei Arbeitstage später war das Paket bei mir. Da kann man wirklich nicht meckern. Und ein deutlich besseres Bild als die alte 17-Zoll-Röhre lieferte das Gerät auch gleich von Anfang an.
Leider war die Freude vorgestern etwas getrübt. Beim Einschalten des Rechners zeigte der Monitor nichts an. Nichteinmal die Status-LED leuchtete. Ich musste also reklamieren und stellte ich mich als Anhänger der These, wer lokal kauft hat bei Defekten einen Ansprechpartner vor Ort, auf eine langwierige Abwicklung ein. Was nun folgte war ein Beispiel einer effektiven Reklamationsabwicklung, die ich als beispielhaft bezeichnen würde.
Montag abends schrieb ich mit dem Notebook eine Mail an den Händler mit der Fehlerbeschreibung. Dort riet man mir am Dienstag Vormittag ich solle mich wegen der schnelleren Abwicklung direkt mit dem Hersteller in Verbindung setzen. Dort rief ich am Nachmittag über eine kostenfreie(!) Servicenummer an und schilderte mein Problem. Der freundliche Mitarbeiter veranlasste nach ein paar Fragen den Austausch des defekten Geräts. Dieser wurde dann heute an meinem Arbeitsplatz (also dem Platz, an dem ich unter der Woche tagsüber am ehesten anzutreffen bin) vorgenommen. Diese Zeilen schrieb ich schon am getauschten Gerät.
Die Vorteile des Internethandels waren hier das größere Angebot. Der Service von EIZO hätte auch bei einem Monitor aus dem Einzelhandel so gehandelt. Die Entscheidung für einen Monitor dieser Marke hat sich so als richtig herausgestellt, auch wenn ich mich am Montag noch geärgert hatte.
27. Juli 2010 um 09:26 Uhr
Ich denke, da hast du auch Glück. Denn wenn es um Reklamierungen, dann läuft das häufig nicht so glatt über die Bühne, ob das nun im Einzelhandel ist oder im Internet. Wobei man im Einzelhandel sich oft auch direkt an den Händler wenden muß, und so auch nicht viel von seinem direkten Ansprechpartner im Laden hat.
28. Juli 2010 um 09:07 Uhr
Ich warte nun schon seit einigen Wochen auf meinen Fernseher, den ich meinem lokalen Händler zur Reperatur gab. Ob es bei einem Internethändler schneller gegangen wäre? In dieser Beziehung bin ich noch etwas altmodisch und vertraue dem Händler von nebenan.
3. August 2010 um 13:35 Uhr
@mybet: Mit Glück hat das im Grunde wenig zu tun, denn seit Mitte 2009 forcieren Online-Händler gerade im Elektronikbereich eine deutliche Steigerung der eigenen Service-Angebote. Vorbild ist hier Amazon, bei denen Reklamationen und ähnliche Fälle ja in 99,9% aller Fälle reibungslos über die Bühne gehen. Nette Anekdote: Amazon hat eine Service-Telefonnummer, die aber so gut wie nie genutzt wird – weil einfach alles elektronisch effizient abgehandelt wird und so gar keine Probleme entstehen.
Eine interessante Präsentation gab es dazu auch auf einigen Konferenzen (mein Bruder arbeitet in dem Fach und weiß daher die eine oder andere Schote zu erzählen), wo insbesondere Ikea als Offline-Beispiel genannt wird: Hingehen, Kassenbeleg zeigen, Geld zurück ohne Fragen wieso oder weshalb. Das begeistert den Kunden und verlockt zum intensiveren Kauf.
Natürlich schaffen das heute noch bei weitem nicht alle Händler, aber schaut man sich die Geizhals Bewertungen an, bekommt man schnell einen Eindruck von den Vorzeige-Firmen.