Sep 5 2009

Analoge Spielerei?

Der Artikel auf SPON ist zwar schon etwas älter, da er aber unter dem Titel “Experten-Tipps: So gelingen analoge Foto-Experimente” vorgibt sich mit der zeitloseren Art der Bilderstellung zu befassen, lohnt sich auch heute noch ein genauerer Blick.

Weil ich ja auch gerne noch Filme in Kameras packe und damit zum Fotografieren durch die Gegend ziehe, habe ich mich zunächst auch gefreut, dass sich ein solches Mainstream-Medium wie Spiegel online mit der silberbasierten oder analogen Fotografie beschäftigt. Der Teaser fängt auch schon gut an.

Alle Welt fotografiert digital, doch experimentierfreudige Hobbyfotografen schaffen mit Filmen und Analog-Kameras vom Flohmarkt außergewöhnliche Bildeffekte.

Doch schon bald merkt man, dass der SPON-Redakteur sich nur oberflächlich im Netz und dort überwiegend bei der lomografischen Gesellschaft informiert hat. Das Ganze wird dann in leicht verdauliche Häppchen aufgeteilt, die die folgenden Titel tragen.

1. Teil: So gelingen analoge Foto-Experimente
2. Teil: Wann lohnt es sich, auf Film zu fotografieren?
3. Teil: Welche Kameras sind empfehlenswert?
4. Teil: Worauf muss man beim ersten Film-Versuch achten?
5. Teil: Welches Filmmaterial bringt tolle Effekte?
6. Teil: Wie sollte man Filme entwickeln und scannen?
7. Teil: Wettbewerb – schicken Sie uns Ihre Analog-Fotos!
8. Teil: Analoge Fototechnik – die Fachbegriffe noch einmal kurz erklärt

In den einzelnen Kapiteln kommen dann Fotografen zu Wort, die überwiegend mit Kameras aus dem Angebot der Lomo-Freunde fotografieren. Hugo Pereira und Stéphane Heinz haben sogar recht umfangreiche Bildersammlungen auf lomography.com.

Leider beschränken sich dann auch noch die zu Beginn versprochenen außergewöhnlichen Effekte auf Crossentwicklung (also Diafilme als Negativfilme entwickeln bzw. umgekehrt) und Polaroidbilder. Die besondere Wirkung einer Schwarzweißaufnahme auf Film im Gegensatz zu aus bunten Digitalbildern abgewandelten Bildern ohne Farbe wurde gar nicht erwähnt. Ganz zu schweigen von IR-Filmen und andern Spielarten der Fotografie auf Film.

Die Sicht der SPON-Netzweltredaktion auf die analoge Fotografie beschränkt sich also überwiegend auf die sogenannten Toy cameras eines Online-Händlers und den Spielarten der Fotografie, die auf dessen Internet-Seite als kreativ dargestellt werden.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich den Artikel als schlecht recherchiert oder als gut getarnte Schleichwerbung einstufen soll. Oder wurde hier jemand, der von der Fotografie nur soviel weiß, um die Vorderseite einer Kamera zu erkennen, damit beauftragt einen Artikel über analoge Fotografie zu schreiben? Schaut man sich die Auflistung der “analogen” Fachbegriffe an, könnte dies durchaus der Fall sein. Schliesslich tummeln sich da auch einige Begriffe, deren Bedeutung auch der Digitalknipser kennen sollte.

"Analoge" Fachbegriffe

Bleibt das Fazit: Der Spiegel ist auch nicht mehr das, was er mal war.

Eigentlich schade, aus dem Thema hätte man mehr machen können.


Mrz 29 2009

Alles billiger

Kaum eine Diskussion hält sich in den Fotoforen (z.B. in der fc) so hartnäckig, wie die Diskussion was nun “besser” sei, die moderne Digitalfotografie oder die traditionelle silberbasierte Fotografie auf Film. Das sind dann die berüchtigten digital-vs.-analog-”Freds”.

Bei den Diskussionen über die Vor- und Nachteile der beiden Arten der Bildaufzeichnung braucht man nicht lange warten, bis ein Vertreter der elektronischen Fotografie das Kostenargument anführt. Schliesslich koste eine Digitalaufnahme “kein Geld”. Auch die Anhänger der traditionellen Art der Fotografie argumentieren gerne mit den günstigen Preisen der Kameragehäuse für Film. Sehr ausführlich kann man diesen Standpunkt auf “Warum analog?” nachlesen.

Schaut man sich beide Argumentationen genauer an, stellt man sehr schnell fest, dass hier Äpfel und Bananen verglichen werden. Beides Obst bzw. Kosten aber doch sehr unterschiedlich. Während die einen die niedrigen Einstiegskosten ins Feld führen, sehen die anderen die geringen Verbrauchskosten im Vorteil. Das heißt, es kommt wie so oft auf den Einzelfall an.

Und weil ich neugierig bin, habe ich das mal für mich ausgerechnet.
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Feb 12 2009

Sie fotografieren noch analog?

Als ich neulich durch den Sucher meiner Nikon F3 in Ulm das Stadthaus anvisierte, sah ich im Augenwinkel wie neben mir ein Tourist seine mit ausgestreckten Armen Richtung Münster gehaltene Digitalkamera senkte und mich etwas verwundert anschaute. Nachdem ich das Bild im Kasten hatte, kam er herüber geschlendert und stellte mir die Frage aus der Überschrift.

Meine Antwort, “Was heisst hier noch? Wieder und immer mehr” hat ihn dann doch überrascht.

Die Frage nach den Vorzügen der analogen Bildaufzeichnung über Film gegenüber der modernen, digitalen Form kann, in den richtigen Foren gestellt, zu ausufernden Diskussionen führen. Das hat dann hin und wieder etwas von einem Glaubenskrieg. Die dabei am häufigsten aufgeführten Argumente Pro-Silikonchip sind die Kosten und die Geschwindigkeit. Auch die Anhänger der silberbasierten Fotografie führen die Kosten als Vorteil ins Feld. Auch der subjektiv bessere Bildeindruck speziell bei Schwarz-weiß-Aufnahmen wird recht häufig genannt.

Recht selten wird der Beweggrund aufgeführt, der mich zur Filmrolle greifen lässt:

Es macht einfach Spaß. Und spannend ist es auch, da man ja nicht unmittelbar nach der Aufnahme kontrollieren kann, ob alles so gelungen ist, wie man es sich beim Druck auf den Auslöser vorgestellt hat.

Auf Aphog.de gibt es eine recht ausführliche Zusammenstellung Stärken und Charakteristika der klassischen Silberhalogenid-Fotografie aus der Sicht der analogen Fraktion. Da finden sich auch noch weitere Aspekte, auf die ich hier nicht weiter eingehen will.