Okt 24 2009

Und Tschüss, Eselsohr

Regelmäßigen Besuchern meiner Seite dürfte aufgefallen sein, dass die obere rechte Ecke jetzt ruhiger aussieht. Grund ist das fehlende “Pagepeel” des Arbeitskreises Vorratsdatenspeicherung , kurz auch AK Vorrat, das ich gerade entfernt habe.

Zum einen störte das ständige Gezappel dieses Eselohrs in meinen Augen das Layout zu sehr. Die grelle gelbe Farbe der aktuellen Briefaktion tat ein Übriges um ständig beim Lesen abgelenkt zu werden.

Neben diesen mehr optischen Gründen habe ich die Werbung für die AK Vorrat auch aus, wenn man so will, inhaltlichen Gründen entfernt. So sinnvoll das Eintreten des Arbeitskreises für das Bürgerrecht der informellen Selbstbestimmung immer noch ist, so wenig kann ich die Art und Weise wie dies im Moment geschieht unterstützen. Gerade im zurückliegenden Bundestagswahlkampf wurde der nach meiner Meinung notwendige Weg der parteipolitischen Neutralität mehrfach verlassen.

Der Bericht der Ortsgruppe Bamberg vom 22.10. festigte dann meinen, schon vorher vorhandenen, Eindruck es hier mit einer Vorfeldorganisation der Piatenpartei zu tun zu haben, so deutlich, dass ich mich heute entschlossen habe, die Werbung für diese Organisation zu entfernen.


Okt 3 2009

Es gibt ein politisches Leben ausserhalb des Internets

Den Tag der deutschen Einheit nahm Alexander Merz von golem.de zum Anlass sich über Twitter, facebook und Co. und deren Auswirkung auf das Geschehen im wirklichen Leben Gedanken zu machen. Im Kommentar mit dem plakativen Titel “IMHO: Die Mauer fiel nicht durch Twitter “ geht er darauf ein, dass der Umbruch in der DDR eben nicht durch auf dem Sofa verfassten Aufrufen in Blogs oder durch Videos auf youtube geschah.

Wer 1989 mitwirken wollte, musste raus gehen und auf der Straße oder am Arbeitsplatz durch Demonstrationen und Diskussionen Flagge zeigen und überzeugen. Auf die politische Diskussion im zurückliegenden Wahlkampf, und darüber hinaus, bezogen bedeutet Eintreten für eine politische Überzeugung eben auch Gespräche mit Menschen aus Fleisch und Blut und nicht nur Aktionen im Netz unter dem plakativen Label “Politik 2.0″. Gerade wenn man sich viel im Netz bewegt, vergisst man (zu) leicht, dass viele der Millionen Internetanschlüsse in Deutschland von Leuten benutzt werden, die eine Internetadresse ins Suchfeld von google eintippen und sonst außer dem Versand von E-Mails kaum andere Möglichkeiten des Internets nutzen. Die berühmten “Netzbewohner” oder Netizen stellen eben doch noch nicht die Mehrheit der Bevölkerung.

Im Wahlkampf haben sich die Unterstützergruppen der Parteien mal wieder mit Versuchen übertroffen, mit mehr oder weniger witzigen Videos und anderen Aktionen möglichst viel Reaktionen in den Blogs zu erreichen. Und hofften dadurch die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Aber war das wirklich wirksam?

Ein Passant auf der Straße aber bekommt davon nichts mit. Auch Kontrahenten überzeugt man so nicht. Ein Youtube-Video kann man nicht ausdrucken, einen Browser einfach schließen. Das Internet stellt Öffentlichkeit her, ist aber nur ein Weg unter vielen.

Dieses Zitat aus dem golem-Kommentar bringt es für mich sehr schön auf den Punkt. Gerade diese “Nichtausschliesslichkeit” scheint für viele der Netzaktiven schwer zu akzeptieren zu sein. Beim Politcamp09 im Mai hatte ich öfter den Eindruck, dass zwar gewünscht war, dass sich Politiker im Netz bewegen, dann aber bitte authentisch und mit 100% selbstverfassten Statements in Twitter, Blog und facebook. Dass nebenbei noch Politik im Parlament, in Gremien und Infoveranstaltungen gemacht werden muss, die eigene Familie auch noch zu ihrem Recht kommen soll und auch der Tag für Politiker nur 24 Stunden hat, schien nicht zu interessieren. Dabei waren es genau die Sessions, in denen sich twitternde, bloggende und sonst im Internet aktive Politiker aller Ebenen zu ihren Erfahrungen äußerten, die den Kern dieser Veranstaltung bildeten. Es gibt sie also, die politisch Aktiven, die das Netz verstehen und nutzen.

Auf der anderen Seite gibt es eben noch zu viele Politiker, die meinen mit Twitter, facebook und Co. einen weiteren kostengünstigen Weg gefunden zu haben, ihre Statements unters Wahlvolk zu bringen. Und weil sie von den Beratern erzählt bekamen, Obama habe im Internet die Wahl gewonnen, fühlen sie sich in ihrem Handeln bestätigt. Wie man es nicht macht, zeigt zum Beispiel der Genosse Matschie, der im Wahlkampf in Thüringen fleißig twitterte aber seit der Wahl seinen Account vernachlässigte. Gerade jetzt könnte er zeigen, dass er direkten Nachfragen nicht aus dem Weg geht.

Besser macht es Ralf Stegner, der nach der Wahl genauso viel und intensiv twittert wie vor der Wahl. So stelle ich mir Authentizität vor, deshalb hier auch noch die Adresse von Ralfs twitter-Account, auf dem sich auch die eine oder andere Diskussion mit “Andersgläubigen” von der Union verfolgen lässt. www.twitter.com/Ralf_Stegner

Das politische Leben findet heute im Gegensatz zu 1989 auch im Internet statt, weil es heute diese Möglichkeit gibt. Und 1989 eben nicht. Es wird in den plakativen “Entweder-oder-Diskussionen” eben gerne vergessen, dass es ein “Sowohl-als-auch” ist. Wer etwas gesellschaftlich bewegen möchte, muss beide Welten bedienen.


Mrz 16 2009

Politik kann auch gut aussehen

Auf jeden Fall, wenn Hans-Christian Plambeck die handelnden Personen fotografiert.

Auf seiner Homepage www.hcp-foto.de finden sich viele seiner Bilder, die auch mal einen anderen Blick auf die Politik zeigen, als man dies so aus der Tagespresse gewöhnt ist. Dagegen dürften Lesern des Spiegel das eine oder andere Bild aus dem Portfolio schon mal gesehen haben.

Aufmerksam wurde ich auf die Seite durch einen Hinweis von Valentin Tomaschek auf twitter


Okt 26 2007

Der Parteitag bloggt

Heute beginnt in Hamburg der Bundesparteitag meiner Partei, der SPD. Neben tagespolitischen Themen soll da ja auch das neue Grundsatzprogramm beschlossen werden.

Und damit auch alle Interessierten im Internet gut informiert sind, wird live gebloggt. An vorderster Front natürlich wieder die WebSozis mit ihrem Parteitagblog. Und zum ersten Mal bloggt auch die Bundespartei unter blog-spd.de mit.

Ich denke mal, dass die Pionierarbeit von Christian Tauer und mir auf dem Karlsruher Parteitag 2005 sicher nicht kontraproduktiv für diese Entscheidung war.


Jun 13 2007

Tradition

Die CDU ist eine Partei, die viel von Traditionen hält. So gehört es auch zur Tradition, dass sich kurz vor der Sommerpause ein eher unbekannterer Politiker dieser Partei mit einer abstrusen Idee zu Wort meldet.

Diesmal ist es der Mittelstandspolitiker Michael Fuchs, der gerne zur Erhöhung der Unternehmergewinne, er nennt das Entlastung der Arbeitgeber, einen Feiertag streichen möchte. Okay, Feiertagstreichen ist auch so eine Forderung, die bei den C-Parteien Tradition hat. Und damit er keinen Gegenwind von den Kirchen bekommt, sucht er sich einen der wenigen nichtkirchlichen Feiertag aus. Er hätte gerne den Tag der Arbeit, also den 1. Mai als Feiertag abgeschafft.

Sagen Sie mal Herr Fuchs, aber sonst geht es ihnen noch gut? Den Feiertag, an dem es um Rechte der Arbeitnehmer geht, wollen Sie abschaffen, um die Geldsäcke der Arbeitgeber vor eventuellen Mehrkosten durch die Reform der Pflegeversicherung zu schützen. Wahrscheinlich haben Sie sich gedacht, wegen der Pflegeversicherung haben wir schon mal einen Feiertag, den Buß- und Bettag, abgeschafft, da können wir wir ja bei dieser Tradition bleiben. Auf jeden Fall werden Sie durch diesen Vorschlag ein paar Tage etwas häufiger in den Medien vertreten sein. Das war doch sicher das Hauptziel dabei.

Man könnte sich da jetzt noch mehr darüber aufregen, wie unsensibel diese Idee ist und dass die paritätische Finanzierung der Sozialsysteme immer mehr der Vergangenheit angehört. Allerdings kann man dem Herrn Fuchs auch dankbar sein. Zeigt sein Vorstoß doch, dass Kurt Beck mit seiner Einschätzung, die CDU sei neoliberal, richtig liegt.